Aktuelle Herausforderungen


Neben den konjunkturellen Einflüssen wird der Luftverkehr zurzeit auch von einer Reihe regulatorischer und struktureller Veränderungen geprägt.

Die Liberalisierung des Luftverkehrs im Rahmen des Open Skies-Abkommens zwischen Europa und den USA Anfang 2008 hatte eine Intensivierung transatlantischer Bündnisaktivitäten zur Folge.

Der bis Mitte des Jahres hohe Ölpreis hatte in Verbindung mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch weiter reichende Konsequenzen. Anstelle von Kooperationen und Allianzen stellen sich nun zunehmend Zusammenschlüsse von Fluggesellschaften dem weltweiten Wettbewerb. So prüfen British Airways und Iberia seit Juli eine Fusion. Gemeinsam mit American Airlines haben sie außerdem ein Abkommen zur Zusammenarbeit auf Flügen zwischen Europa und Nordamerika geschlossen. In den USA wurde zudem die Fusion von Delta Air Lines und Northwest Airlines unter dem Namen Delta im Oktober 2008 vollzogen. Der Verkauf der Alitalia an ein Konsortium italienischer Investoren (Compagnia Aerea Italiana) wurde im Dezember abgeschlossen. Für die griechische Fluggesellschaft Olympic Airways wird weiterhin eine Privatisierung mit späterer Umstrukturierung verfolgt.

Auch Lufthansa hat sich 2008 am Konsolidierungsprozess aktiv beteiligt. So wurde im September der Erwerb einer zunächst 45-prozentigen Beteiligung an SN Airholding SA/NV, der Muttergesellschaft von Brussels Airlines, beschlossen. Im Dezember stimmte der Aufsichtsrat der geplanten Übernahme von Austrian Airlines zu. Beide Akquisitionen stehen unter dem Vorbehalt einer Reihe von Voraussetzungen, darunter die Zustimmung der Kartellbehörden sowie die der EU-Kommission für die erforderliche Restrukturierungsbeihilfe an Austrian Airlines. Nach Abschluss des Kaufvertrages zum Erwerb der 41,56 Prozent von ÖIAG an AUA gehaltenen Anteile plant die Lufthansa die Veröffentlichung eines Übernahmeangebotes an die Streubesitzaktionäre zum Preis von 4,49 EUR je AUA-Aktie zum parallelen Erwerb aller Aktien der AUA.

Für eine erfolgversprechende Übernahme müssen eine Reihe von anspruchsvollen Anforderungen erfüllt sein. Nicht alle geprüften Transaktionen kommen auch zur Umsetzung. So sind verschiedene Vorhaben in der Industrie nicht zum Tragen gekommen. Darunter befindet sich auch die im Oktober 2008 gestoppte Prüfung einer Zusammenführung von Germanwings und Eurowings mit der Hapag Lloyd Fluggesellschaft und Hapag Lloyd Express.

Der Druck auf die Industrie bleibt bestehen. Nach Branchenschätzungen haben allein im Berichtsjahr infolge des wirtschaftlichen Abschwungs 30 Fluggesellschaften den Flugbetrieb eingestellt. Dabei erreicht der Konsolidierungsdruck in der Luftverkehrsbranche nach Europa und Nordamerika auch die asiatischen Wachstumsmärkte. So haben die beiden indischen Fluggesellschaften Jet Airways und Kingfisher im Oktober 2008 eine engere Kooperation angekündigt. Seitens der chinesischen Linienfluggesellschaften China Eastern Airlines und China Southern Airlines wurde zwischenzeitlich staatliche finanzielle Unterstützung beantragt. Die Luftaufsichtsbehörde Civil Aviation Administration of China (CAAC) hat angekündigt, infolge des eingetrübten Ausblicks die Genehmigung neuer Fluggesellschaften bis 2010 auszusetzen. Chinesische Fluggesellschaften wurden zudem zur Überprüfung ihrer Kapazitätsplanungen bis hin zur Verschiebung von Flugzeugbestellungen angehalten.

Drucken
Downloads
Chartgenerator
Chartgenerator

Vergleichen Sie Kennzahlen über mehrere Jahre. mehr