Brief des Vorstands


Sehr geehrte Damen und Herren, (Handschrift)

Lufthansa hat sich im Geschäftsjahr 2008 hervorragend behauptet. Obwohl besonders die zweite Jahreshälfte geprägt war von Unsicherheit im Markt, den Folgen der Streiks im Sommer und der sich zuspitzenden Finanz- und Wirtschaftskrise, können wir Ihnen für das Gesamtjahr ein Spitzenergebnis präsentieren. Es liegt mit 1,35 Mrd. EUR operativem Gewinn nur knapp unter dem Rekordniveau des Vorjahres und ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte Ihres Unternehmens. Vor dem Hintergrund der weltweiten wirtschaftlichen Turbulenzen hat dieses Ergebnis eine ganz besondere Qualität. Wir haben wichtige Ziele trotz widriger Umstände erreicht oder sogar übertroffen und stehen deutlich besser da als unsere Hauptwettbewerber.

Lufthansa ist gut gerüstet – strategisch, finanziell und operativ.

  • Unsere Finanzbasis ist solide: Wir wirtschaften besonnen und mit Weitsicht – Profitabilität geht vor Größe.
  • Unsere strategische Ausrichtung zahlt sich aus: Wir legen den Fokus auf die Entwicklung des Kerns unseres Geschäfts, der Airlines, gleichzeitig profitieren wir im aktuellen Umfeld von der Ausrichtung der Konzerngeschäftsfelder.
  • Die Zahl der Fluggäste kletterte konzernweit mit 70,5 Millionen auf neue Rekordhöhen: Lufthansa erfreut sich hoher Kundenloyalität und erzielt auch im Jahr 2008 wieder Bestnoten bei der Kundenzufriedenheit.
  • Die Marke Lufthansa ist so stark wie nie: Sie steht für Vertrauen und Zuverlässigkeit, für Qualität und Sicherheit, für technische Kompetenz und Servicebereitschaft – in allen Geschäftsfeldern.

Auch als Geschäftspartner und als Arbeitgeber ist der Kranich geschätzt und beliebt. Vor der heraufziehenden Krise konnten wir in der ersten Jahreshälfte noch 4.000 neue Mitarbeiter einstellen: Menschen, die Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag zur Mobilität leisten wollen.

Neben flexiblen Vereinbarungen in Tarifverträgen, einer vorausschauenden Flottenpolitik und einem stark an den Märkten orientierten Kapazitäts- und Erlösmanagement arbeiten wir auch im Rahmen der 2007 ins Leben gerufenen Initiative „Upgrade to Industry Leadership“ weiter in derzeit rund 120 Projekten an einer nachhaltigen Absicherung und Steigerung der Profitabilität.

Insgesamt sind wir mit der Unternehmensentwicklung im Geschäftsjahr 2008 hochzufrieden, aber wir gehen davon aus, dass 2009 wirtschaftlich eines der schwierigsten Jahre der gesamten Branche werden wird – mit großen Herausforderungen auch für Lufthansa. Mit Blick auf die weltweit angespannte wirtschaftliche Lage und die Unsicherheiten im Finanzmarkt, aber dem sehr guten Ergebnis angemessen, schlagen Aufsichtsrat und Vorstand Ihnen eine Dividende in Höhe von 70 Cent vor.

Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender; Stefan Lauer, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor; Stephan Gemkow, Vorstandsmitglied (Foto)

Wolfgang Mayrhuber (Vorstandsvorsitzender),
Stefan Lauer (Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor, Ressort Aviation Services und Human Resources),
Stephan Gemkow (Vorstandsmitglied, Ressort Finanzen)

Erfreulich ist, dass sich alle Geschäftsfelder des Lufthansa Konzerns gut positioniert und im Markt behauptet haben.

Das Geschäftsfeld Passagierbeförderung hat sich stabil entwickelt und gute Ergebnisse abgeliefert. In diesem Zusammenhang spielt SWISS eine besondere Rolle – sie hat sich zu einer tragenden Säule in unserem Airline-Verbund entwickelt und hat wesentlichen Anteil am guten operativen Ergebnis des gesamten Geschäftsfeldes.

Zum Ende des Geschäftsjahres haben wir den Wachstumsschub bewusst gedrosselt, um damit flexibel auf die Marktveränderungen zu reagieren. Unsere strategische Ausrichtung werfen wir damit nicht über Bord. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Luftverkehr mittel- bis langfristig weiter wachsen wird. Vor diesem Hintergrund prüfen wir auch sorgfältig, welche zusätzlichen Wachstumschancen sich bieten, zum Beispiel durch Partnerschaften und – wo sinnvoll – auch durch Zukäufe.

Lufthansa hat 2008 wichtige Weichenstellungen im Konsolidierungsprozess vorgenommen. Meilensteine waren der Vertrag zum schrittweisen Erwerb von Brussels Airlines und die geplante Übernahme von Austrian Airlines. Diese Akquisitionen stehen unter Vorbehalt, da eine Reihe von Voraussetzungen noch nicht erfüllt sind. Wenn alle Hürden erfolgreich genommen sind, bieten uns beide Fluggesellschaften die Chance, die Märkte Belgien und Österreich besser mit dem Lufthansa Netzwerk zu verbinden. Mit ihrer starken Präsenz in Afrika ist Brussels Airlines ein wertvoller Partner für uns, und mit Austrian Airlines bekämen wir ein weiteres wichtiges Standbein in Osteuropa.

Darüber hinaus engagiert sich Lufthansa im italienischen Markt. Mit „Lufthansa Italia“ und einem deutlich erweiterten Angebot an Direktflügen zu europäischen Zielen steigern wir unsere Attraktivität für unsere Kunden. Die ersten Flüge starteten im Februar 2009.

Auch von den anderen Geschäftsfeldern des Konzerns gibt es Erfreuliches zu berichten: Alle haben zu unserem bemerkenswerten Gesamtergebnis beigetragen.

Lufthansa Cargo hat sich in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld sehr gut behauptet. Unser Geschäftsfeld Logistik konnte das gute operative Ergebnis des Vorjahres noch einmal verbessern. Die Profitabilität von Lufthansa Cargo hat sich positiv entwickelt, und durch den Ausbau strategischer Partnerschaften hat sich unsere Frachtgesellschaft zukunftsorientiert aufgestellt. Der anhaltenden Nachfrageschwäche beim weltweiten Luftfrachtverkehr, die im letzten Quartal 2008 spürbar wurde, wird durch Reduzierung der Frachterkapazitäten und Kurzarbeit entgegengewirkt.

Lufthansa Technik konnte sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen, wie des Wertverlustes des US-Dollars, im Markt durchsetzen und ihr operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessern. Sie ist Weltmarktführer in ihrem Segment und durch ihr modernes Produktportfolio, kostengünstige Standorte und zahlreiche Programme zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung sowie Innovationskraft gut für die Zukunft gerüstet.

Lufthansa Systems konnte ihr Ergebnis, das im Vorjahr durch außerordentliche Abschreibungen belastet war, deutlich verbessern. Unser IT-Geschäftsfeld konnte seine starke Marktposition weiter festigen, Produktentwicklungen vorantreiben und seine Kompetenz auch in anderen Branchen mit vergleichbaren Anforderungen, wie etwa dem Gesundheitswesen oder der Medienindustrie, zunehmend vermarkten. Mittelfristig soll der Anteil externer Kunden auf 60 Prozent steigen.

Der Weltmarktführer im Catering, LSG Sky Chefs, hat im Geschäftsjahr 2008 seine Strategie weiter erfolgreich umgesetzt. Nicht profitable Aktivitäten wurden reduziert, und in den Wachstumsmärkten haben unsere Caterer moderat expandiert. Nach mehreren Jahren teilweise starken Wachstums schrumpft der weltweite Airline-Catering-Markt seit Ende 2008. Mit Blick auf die schwierigen Gesamtbedingungen hat LSG Sky Chefs ein gutes operatives Ergebnis erwirtschaftet, das allerdings unter dem Vorjahresergebnis lag.

Trotz all dieser positiven Entwicklungen hat der Aktienkurs unseres Unternehmens, wie der aller anderen Gesellschaften am Aktienmarkt, im Geschäftsjahr 2008 an Wert verloren. Der Kurs der Aktie ist um fast 39 Prozent gefallen. Das ist bitter. Denn er drückt aus, dass die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich mehr wiegen als unsere eigenen Leistungen in diesem schwierigen Umfeld. Weder die tragfähigen Fundamente des gesamten Konzerns und die stabile Ergebnisentwicklung noch unsere Zukunftspotenziale werden im Aktienkurs reflektiert. Immerhin haben wir den Abstand zu unseren Wettbewerbern auch an der Börse 2008 weiter ausgebaut.

Wir werden auch künftig besonnen handeln, Kapazitäten am Bedarf ausrichten, Kosten auf Einnahmenniveau begrenzen, was in unserer Industrie wegen der großen Fixkostenabhängigkeit keine Selbstverständlichkeit ist. Aber wir werden auch das schaffen und unseren strategischen Pfad weitergehen.

Ihr Vertrauen, verehrte Aktionäre, und das unserer Kunden wollen wir auch in Zukunft mit grundsolider und umsichtiger Arbeit rechtfertigen. 2009 wird uns besonders fordern. Keiner kann abschätzen, wie lange die globale Wirtschaftskrise andauern wird und welche tiefgreifenden Einschnitte sie noch auslöst. Wir stellen uns den Realitäten. Wir sind anpassungsfähig. Und wir bleiben dabei auch zuversichtlich, denn wir können auf ein eingespieltes, verlässliches und hoch engagiertes Team von Mitarbeitern und Führungskräften bauen. Wir wollen weiter mit Qualität und Leistung überzeugen. Wir wollen die Erfolgsmarke Lufthansa weltweit noch stärker positionieren. Wir fühlen uns den Standorten verpflichtet und werden deshalb auch auf den politischen Bühnen z.B. in Brüssel und in Berlin im Interesse fairer Wettbewerbsbedingungen weiter aktiv sein.

Krisen haben immer auch Weichenstellungscharakter. Wir wollen die Weichen richtig stellen, damit Sie, unsere Aktionäre, damit Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen profitieren können. Begleiten Sie uns weiter auf unserem Weg und bleiben Sie uns gewogen!

Wolfgang Mayrhuber
Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG